Was soll ich werden? Eine Entscheidungsilfe für die Berufswahl

Berufswahl: Dem Traumberuf mit einer simplen Frage ein Stück näher kommen [Artikel]

Es sind nicht nur Jugendliche, Abiturienten und Studenten, die sich mit der Frage „Was möchte ich später einmal werden?“ auseinandersetzen. Auch viele Berufstätige können an den Punkt geraten, an dem sich mit diesem Gedanken beschäftigen. Nur formulieren sie ihn möglicherweise anders und fragen sich: Ist es das, was ich immer wollte? Eine zufriedenstellende Antwort soll aber nicht nur einen passenden Beruf ausspucken. Es geht viel mehr um persönliche Vorstellungen, Wünsche, Träume und letztlich die (berufliche) Selbstverwirklichung, die mit diesem einhergeht. Die Frage nach dem „Was soll ich werden?“ bei der Berufswahl greift daher vielleicht etwas kurz.

Wie wäre es stattdessen mit einer simplen Gegenfrage, um zum Traumberuf zu gelangen?

Berufswahl Prinzessin?
Wer träumt nicht davon, einmal Prinzessin zu werden? 🙂

Die Odyssee der Berufswahl beginnt meist in jungen Jahren: „Na Kleine/r, was willst du werden, wenn du groß bist?“ Astronaut, Prinzessin, Fußballspieler oder Tierärztin antworten dann viele Kinder mit strahlenden Augen. Und warum antworten sie so? Weil diese Berufswünsche Dinge implizieren, die sie lieben und spannend finden: unendliche Galaxien und aufregende Abenteuer, Fußball spielen, Tiere pflegen und – na ja – Prinzessin sein 🙂

Ob man als Kind schon daran denkt, dass man mit diese Jobs eine Menge Geld verdienen kann? Ich wage es zu bezweifeln. Genau das scheint aber mit zunehmendem Alter ein immer wichtigerer Faktor zu sein. Schließlich will man seine Familie ernähren, Urlaub machen, einen gewissen Lebensstil finanzieren usw. Das sind durchaus nachvollziehbare Motive. Nur sollte man überdenken, ob man bei der Entscheidung für einen Job den möglichen Verdienst als Grundlage voranstellt.

Berufswahl – (k)eine Frage des Geldes?

Wie wäre es, wenn wir stattdessen die umgekehrte Strategie fahren und uns fragen:

Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Na, kommen da nicht geniale Dinge bei heraus? 🙂 Bei mir war es so was wie: den ganzen Tag am Strand liegen, lesen, Texte und Bücher schreiben, mit der Frau und den Kindern zusammen sein, Fußball spielen, mit Freunden treffen – und all das am besten immer dann, wenn ich gerade Lust dazu habe.

Arbeitsplatz Strand
Neuer Arbeitsplatz gefällig?

Was sich liest, wie aus einem Freundschaftsbuch abgeschrieben, ist bei mir tatsächlich Realität – nimmt man den Strand ein mal raus, da ich mir den für den Urlaub aufspare 🙂 Ich habe mir nämlich den einen Punkt aus der Liste herausgepickt, mit dem ich mir zutraue, ausreichend Geld zu verdienen. Heute bin ich freiberuflicher Texter und kann genau das machen, was mir Spaß macht: Schreiben, lesen, Zeit mit Familie und Freunden verbringen, Fußball spielen – und wenn ich möchte, sogar am Strand! 🙂

Berufsberatung mal anders

Auf die Fragestellung hat mich der englische Religionsphilosoph Alan Watts gebracht. Die folgenden inspirierenden Zeilen stammen aus seinen Gesprächen mit jungen Uni-Absolventen in den USA:

When we finally got down to something, which the individual says he really wants to do, I will say to him, you do that and forget the money, because, if you say that getting the money is the most important thing, you will spend your life completely wasting your time. You’ll be doing things you don’t like doing in order to go on living, that is to go on doing things you don’t like doing, which is stupid. Better to have a short life that is full of what you like doing than a long life spent in a miserable way.

Sinngemäß übersetzt sagt Watts:

Wenn mir also jemand davon berichtet, was er tun möchte, sage ich: Tu genau das – und vergiss das Geld. Denn wenn du sagst, dass Geld verdienen das Wichtigste ist, wirst du dein ganzes Leben damit verbringen, es (also das Leben) zu verschwenden. Du wirst Dinge tun, die du nicht gerne tust, nur um weiterleben zu können und Dinge zu tun, die du nicht gerne tust – was dumm ist. Es ist also besser, ein kurzes Leben zu leben, das voll mit Dingen ist, die man gerne tut, als ein langes und unglückliches Leben.

Zugegeben, für viele von uns – so zeigen es zumindest die bisherigen Interviews auf diesem Blog – ist Geld gar nicht das Wichtigste auf der Welt. Und so sollte es aus meiner Sicht auch bei der Berufswahl sein. Für die meisten wird es nämlich nicht der richtige Motivator sein, um darauf eine langjährige Ausbildung und Karriere durchzuziehen.

Stattdessen kann es zielführend sein, sich zu Fragen: Was würde ich gerne tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde, ich die freie Wahl hätte und genau das tun könnte, was mir Spaß macht? Vielleicht kommen wir so unserem (beruflichen) Glück ein kleines Stück näher – und werden doch noch Astronaut und Prinzessin 🙂

 

Quellen:
Das Zitat von Alan Watts habe ich ursprünglich im Intro des folgende Chillhop-Mixes gefunden. Wenn ihr nach den motivierenden Worten noch einen musikalischen Antrieb benötigt, dreht eure Lautsprecher auf und nehmt diesen Link:

 

Die komplette Rede zu Alan Watts‘ „What if Money Was No Object?“ findet ihr hier:

 

Julian

Einer von euch.

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