Entscheidung treffen

Von der Schwierigkeit, eine Entscheidung zu treffen [Artikel]

Wir treffen täglich Entscheidungen. Oft sind sie kleinerer Natur, wie: Was esse ich zum Mittag? Oder: Welche Serie schaue ich heute Abend auf Netflix? Immer wieder kommen wir aber an den Punkt, an dem es darum geht, große und scheinbar bedeutende Beschlüsse zu fassen, die unseren weiteren Lebensweg beeinflussen: Welches Studium passt zu mir? Sollte ich den Job wechseln? Noch einmal neu anfangen? Gerade in Bezug auf die Karriere stehen uns zahllose Möglichkeiten offen. Eine Entscheidung zu treffen fällt hier besonders schwer und kann uns Angst machen. Das muss aber nicht sein.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Je mehr Möglichkeiten wir haben, desto schwieriger ist es für uns, die passende Entscheidung zu treffen. Das bewiesen Psychologen der Columbia University mit der „Marmeladen-Studie„.

Eine Entscheidung zu treffen kann schwer fallen

Bei diesem Experiment in einem Supermarkt boten sie der Kundschaft in einem ersten Versuch sechs Marmeladensorten zur Verköstigung an. In einem zweiten Versuch waren es ganze 24 Sorten Marmelade, die Kunden probieren konnten. Jetzt zeigten sich deutlich mehr interessierte Kunden an den Tischen. Die große Auswahl schien zu verlockend.

An der Kasse dann aber die Überraschung: Von den Probanden, die am ersten Versuch teilnahmen, kauften 30 Prozent ein Glas Marmelade. Aus dem zweiten Versuch dagegen nur drei Prozent.

Man kann also annehmen, dass die Kunden mit der großen Auswahl überfordert waren und sich daher gegen einen Kauf entschieden. Vielleicht habt ihr dieses Phänomen auch schon an euch selbst bemerkt?

In diesem Experiment ging es nur um ein paar Gläser Marmelade. Beziehen wir das Ergebnis aber auf „lebenswichtige“ Entscheidungen, lässt sich ableiten, wie uns die vielen Möglichkeiten überfordern können.

Langfristige vs. kurzfristige Entscheidung

Sich entscheiden scheint besonders für die viel besprochene Generation Y schwer zu sein, betrachtet man diesen Versuch, sich über WhatsApp zu einem Treffen zu verabreden.

Die Protagonisten stehen vor einer simplen, kurzfristigen Entscheidung: Gehe ich am nächsten Freitag mit meinen Freunden einen Wein trinken? Fast alle tun sich schwer, eine definitive Antwort zu geben und halten sich eine Zusage bis zum Tag der Verabredung offen.

Wie sähe dieses Szenario erst bei einer langfristigen Entscheidungen aus – zum Beispiel der Berufswahl? Die Freunde würden wohl noch heute die vermeintlich beste Stellenanzeige suchen.

Das Problem ist hier, dass das Ergebnis der Entscheidung in ferner Zukunft liegt und wir erst viel später merken, ob es eine gute Wahl war. „Tatsächlich kommen uns Entscheidungen immer dann besonders schwer vor, wenn wir die Konsequenzen nicht überschauen können. Das macht Angst“, sagt auch Dagmar Borchers, Professorin für Philosophie an der Uni Bremen, in einem Interview von ZEIT Campus.

Aber bringt uns diese Angst weiter? Eher nicht.

Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung

Zielführender ist da der folgende Satz, den der Neurowissenschaftler Jonas Sauer im selben ZEIT-Campus-Interview fielen ließ:

„Wenn sich eine Entscheidung gut anfühlt, dann ist sie wahrscheinlich auch richtig.“

Sauer begründet die Aussage mit dem „Glückshormon“ Dopamin, das ausgeschüttet wird, wenn wir uns gut fühlen. Haben wir Glücksgefühle, nachdem wir  eine Entscheidung gefällt haben, ist viel Dopamin unterwegs – und das ist nach Sauer ein guter Indikator dafür, dass es eine gute Wahl war.

Der amerikanische Unternehmer und Speaker Gary Vaynerchuk setzt sogar noch einen drauf. Für ihn gibt es keine richtige oder falsche Entscheidung, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Viel wichtiger ist, dass uns eine Entscheidung einen Schritt weiter bringt:

„And remember that whatever decision you make, it will get you somewhere. Decisions aren’t right or wrong. Your career hasn’t made it or not made it. The magic is in the grey.“

Auch wenn es leichter gesagt ist als getan: Vielleicht sollten wir bei (wichtigen) Entscheidungen öfter auf unsere Gefühle hören und darauf vertrauen, dass das, was sich gut anfühlt, das Richtige für uns ist.

Ob es nun um die Wahl der Ausbildung, Arbeitsstelle oder Netflix-Serie geht.

Julian

Einer von euch.

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